Appell zum 9. November

Thüringerinnen und Thüringer sollen sich der Vereinnahmung historisch sensibler Daten durch Rechtsextremisten und Rechtspopulisten widersetzen

Der Vereinnahmung historisch sensibler Daten wie des 9. November durch Rechtsextremisten und Rechtspopulisten in Thüringen sollten sich die Thüringerinnen und Thüringer entschieden widersetzen. Dazu ruft das breite überparteiliche und zivilgesellschaftliche Bündnis „Mitmenschlich in Thüringen“ auf.  Der 9. November steht wie kein anderer Tag in der deutschen Geschichte für die Mahnung, die Menschenwürde zu achten, Religionsfreiheit zu sichern und  Demokratie, Meinungsfreiheit und die offene Gesellschaft in Deutschland zu verteidigen, so das Bündnis. Das ist auch das Erbe der friedlichen Revolution in der DDR, an die ebenfalls am 9. November, dem Tag des Mauerfalls, erinnert wird. „Dieser Kampf für die Demokratie und Menschenrechte ist uns auch heute noch Verpflichtung“, heißt es in dem Aufruf des Bündnisses.

Vor einem Jahr hatte sich das Bündnis zusammengefunden, um auf dem Erfurter Domplatz am 9. November von Thüringen aus ein deutliches Signal für Weltoffenheit und Toleranz zu senden.  Mitmenschlichkeit steht auch heute noch ganz oben auf der Tagesordnung. Denn an den weltweiten Fluchtursachen – Krisen, Kriege, Katastrophen und politische Verfolgung – hat sich nichts geändert, im Gegenteil, die Lage hat sich eher verschlimmert.  Denn nur  durch politische Entscheidungen ist die Zahl der nach Deutschland kommenden Geflüchteten in den vergangenen Monaten zurückgegangen.

Integration bleibt weiterhin die gesellschaftspolitische Aufgabe Nummer eins in Deutschland.  Dabei sollte die zweite Phase der Integration, in die Thüringen jetzt eingetreten ist, nach Einschätzung des Bündnisses dafür genutzt werden, den Geflüchteten beim Start auf den Arbeitsmarkt wie auch in ihrer neuen Lebensumgebung zu helfen und das Ganze mit ihnen gemeinsam zu gestalten.

Mit Aufklärung, mit Sachargumenten und vor allem auch mit der Organisation von persönlichen Begegnungen können Ängste und Vorbehalte in der Bevölkerung weiter abgebaut werden, sind sich die Bündnispartner sicher. „Geflüchtete sind in Thüringen willkommen“, so das Bündnis.

Das Bündnis ruft die Thüringerinnen und Thüringer dazu auf, sich als Anwälte der Menschlichkeit zu verstehen und sich von menschenverachtenden Parolen deutlich zu distanzieren. Zu einer demokratisch verfassten Gesellschaft gehört auch die Garantie der Religionsfreiheit. Deshalb unterstützt  das  Bündnis auch den geplanten Bau der Moschee für die Ahmaydiyya-Gemeinde in Erfurt-Marbach. Das Bündnis sieht den geplanten Bau als eine Bereicherung für die religiöse Landschaft in Thüringen und verweist auf das Grundgesetz, das auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen der nationalsozialistischen Judenverfolgung die Religionsfreiheit festschreibt

Zum Bündnis „Mitmenschlich in Thüringen“  gehören neben dem LSVD Thüringen Vertreterinnen und Vertreter von Sozialverbänden, Arbeitgebern, Gewerkschaften, Umweltverbänden, evangelischer und katholischer Kirche, jüdischer Landesgemeinde und die Ahmadiyya Muslim Gemeinde, Linke Grüne, SPD, Piratenpartei, Landes- und Kommunalpolitiker, Bürgerbündnisse, die Konferenz Thüringer Studierendenschaften, die Landesschülervertretung, der Landessportbund, der Landesfeuerwehrverband und der Landesjugendring.

Aktualisiert am 20. März 2017